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Das Blonde Alien heißt eigentlich Katja. Auf der Erde ausgesetzt wurde es vor (ähäm)ca. 30 Jahren. Mission: Erkunde die Welt. Seither irrt es planlos durch die Gegend. Es versucht, die Menschheit zu verstehen (was nicht immer klappt). Lies in meinem Blog, wie das Alien den Alltag meistert.

23 Oktober 2006

Schicksal an der Ecke

Als ich in diese meine Stadt vor mehr als 10 Jahren kam, fing ich erstmal an, Jura zu studieren.

Auf diese abartige Idee kam ich, indem ich alle möglichen Studienfächer auf eine Liste geschrieben habe und dann die weggestrichen habe, die ich nicht studieren wollte (oder dank NC nicht konnte). Naja, übrig geblieben ist Jura.

Dazu muß man sagen, daß ich damals ein völlig anderer Mensch war (lausige Rechtfertigung, denkst Du und Recht hast Du). Aber, Du wirst es nicht glauben, ich habe in die Menge der Halstuch- und Schlipsträger damals optisch sehr gut gepaßt.
Oh Gott, ich hatte rabenschwarzes Haar (von blond soweit entfernt wie die Erde vom Mond), meine Haut war (und ist) ganz weiß und ich hatte ein Faible für dunkelroten Lippenstift, ohne den ich zu dieser Zeit nicht aus dem Haus gegangen wäre (ich bin nie ungeschminkt aus dem Haus - gut, damals war ich auch noch reich und konnte mir den ganzen Krempel locker leisten, doch auch so würde ich mir jetzt nichts mehr ins Gesicht schmieren. Nene, ich finde mich schön genug. Ehrlich.)
Mein ältester Freund E. (der Zombie <- sein Spitzname, weil er schon zweimal klinisch tot war)sagte mir mal, ich sah aus wie eine Domina. Hahaha, ausgerechnet, von einer Domina bin ich mindestens genausoweit weg wie na ihr wißt schon, die Erde usw, ich will mich ja nicht wiederholen.

Nach ca. einer Woche Studium war mir klar, daß mir die Rechtswissenschaft an sich ganz gut gefällt, ich aber unter den Kommilitonen sicher keine Freunde finden werde. Jaa, Ansätze gab es da schon. Ich wurde in bescheuerte Edel-Bars mitgeschleift, quälte mich dort durch den Abend und lauschte so interessanten Gesprächen, wie: "Welches Auto soll ich kaufen? Wie legst Du Dein Geld an?" usw. Seit diesen Tagen habe ich eine nicht auslöschbare Aversion gegen solche Lokaliäten und noch viel mehr gegen die Besucher derselben.

Mit den meisten Männern des Semesters kam ich dagegen soweit ganz gut klar *lächel*. Und wenn es immer heißt "Dumm fickt gut", dann kann ich dazu nur sagen, "Klug auch". Medizin- und Jurastudenten sind regelrechte Wölfe und verdammt versaut. Uiuiui...
Nachdem ich allerdings ähäm durch Zufall mit dem Schwiegersohn meines Profs im Bett gelandet bin, dachte ich mir, es sei an der Zeit, mein Jagdrevier etwas zu wechseln (ich hab Dir ja gesagt, ich war ein anderer Mensch. Heute würde mich das nicht mehr kratzen. Hahahaha, nein nein, heute würde ich sowas wohl nicht mehr machen. Das empfand ich sogar damals ein bißchen arg krass.)

Und so fand ich das Destiny. Lach, die Kneipe hieß tatsächlich so und der Name war Programm.

Im Destiny

  • hab ich meinen ältesten Freund E. kennengelernt (den Zombie)
  • mir wurde dort Billardspielen beigebracht
  • ich war schon mal so betrunken, daß ich nicht mehr wirklich weiß, wie ich nach Hause gekommen bin
  • im Hinterhof hatte ich wilden Sex
  • dort haben sich das erste und einzige Mal zwei Männer um mich geprügelt
  • ich habe den langweiligsten und schlechtesten Liebhaber der Welt getroffen (und, jaa, ich war leider Gottes mit ihm im Bett, sonst könnte ich das kaum beurteilen)
  • und ich habe im Destiny auch mal gestohlen (*schäm*), und zwar das Schild "Wir bitten, auf Ihre Garderobe selbst zu achten." Heute hängt es in meinem Flur.
Das Destiny war eine Eckkneipe in meinem Stadtteil, mit häßlichen gelben Butzenglasscheiben und einer Einrichtung aus dunklem Holz. Schon vor der Tür hörte man das obligatorische Da-tüt-da der Spielautomaten, an denen grundsätzlich irgendwelche zusammengesunkene Gestalten saßen, die wie dressierte Hunde mit nikotingelben Fingern Markstücke in die Münzschlitze steckten.
Die Kneipe war immer voll. Das Publikum gemischt. Studenten verirrten sich kaum ins Destiny, und wenn, dann allenfalls männliche. Da wir hier einen amerikanischen Stützpunkt haben, gab es auch viele Amis, die - warum auch immer - ihren Abend im Destiny verbrachten. Highlight war der Billardtisch im "Hinterzimmer", ein nicht wirklich abgetrennter, ca. 15 m² großer Raum. Ab und an gab es auch Livemusik, und gar nicht mal schlechte. Die damalige Besitzerin, eine winzige und zierliche Person (vor der im übrigen selbst die größten Schlägertypen Respekt hatten), leitete das Destiny in seiner Glanzzeit, und das ziemlich erfolgreich. Später übernahm es ein Typ namens Erkan, der sich auch tatsächlich so vorstellte: Ich bin Erkan, das kommt von "er kann immer". Ohohoh. Armer Erkan, wir haben ihm das Leben ziemlich schwer gemacht. Aber da war das Ende ohnehin bereits absehbar.

Heute ist das Destiny schon lange Vergangenheit. Der Eingang der Eckkneipe ist zugemauert (auch das irgendwie ein Zeichen), die Butzenglasscheiben sind normalen doppelverglasten Sicherheitsfenstern gewichen.
Nichts erinnert mehr an mein Destiny.
Allenfalls mein Garderobenschild ;-)

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